Mich erstaunen Rezensionen wie z.B. die von Herrn Hertel. Die Hälfte seines Textes beschäftigt sich mit seiner Fantasie über diejenigen, denen der Film gefällt und wie sie jemanden wie ihn dabei abwerten würden. Ist das schon Projektion?
Wenn man sich schon so sehr auf die Psyche der anderen Rezensenten versteift, warum mag das dann nicht mit den Figuren des Films gelingen? Kunst wird niemals allen gefallen, so viel ist klar, aber selbst wenn man etwa zu dem Schluss kommt, dass der Film "nur" einen starken Anfang hat und man sich im Verlaufe des Films so sehr langweilt, weil man nur damit beschäftigt ist, was im Moment des Impacts passieren könnte, anstatt die Frage interessant zu finden, was andere dabei fühlen, macht das aus einem Film mit einem starken Anfang dann einen Film, der nur einen Stern verdient hat?
Hier zeigt sich, dass die Art und Weise, wie man den Film wahrnimmt mehr über einen selbst verrät, als über den Film selbst. Kann man dem Film vorwerfen, dass nach hinten hin die Spannung abfällt? Ja, die Perspektive kann ich nachvollziehen. Aber ich finde sie ist nur so lange nachvollziehbar, solange man (absichtlich?) ignoriert, wie viel dramatischer die zu treffenden Entscheidungen der jeweiligen Protagonisten der jeweiligen Sequenz sind. Das macht die Konstruktion dieses Films tatsächlich herausragend gut: Sehen wir am Anfang die Soldaten, die in einer unbestrittenen Ausnahmesituation vor allem ihrem Training und ihren Befehlen folgen und die vor allem mit dem Druck konfrontiert sind, zwar alles korrekt auszuführen und im Ergebnis dennoch zu scheitern, so sehen wir in den darauf folgenden Runden die Dilemma von "entscheidenden" Figuren (zumindest die entscheiden *sollten*), die im Angesicht der Katastrophe über so viel mehr Handlungsoptionen verfügen, aber dadurch umso tragischer aussehen.
Insbesondere die letzte Sequenz ist an Dramatik eigentlich gar nicht zu überbieten: In der Situation zu sein, innerhalb weniger Minuten mit den eigenen Entscheidungen das Schicksal der ganzen Welt in den Händen zu halten. Für mich macht gerade das den Film zu einem der besten Filme des Jahres.
Man kann geteilter Meinung sein, wie gut einzelne handwerkliche Aspekte im Film funktionieren, ob der Spannungsbogen insgesamt ausgewogen ist, oder ganz banal, wie sehr all das den eigenen Geschmack anspricht. Aber selbst wenn man berechtigt der Ansicht sein mag, dass dieser Film vielleicht kein Meisterwerk ist, so ist eine Ein-Sterne-Bewertung einfach deutlich über das Ziel hinaus geschossen und objektiv gesehen unverständlich. Alle vier anderen Optionen sind alle sachlich gut begründbar.
Tut euch den Gefallen und seht nicht aus wie jemand, der mit eigenem Wut oder Ärger nicht klar kommt und deshalb einen herausfordernden Film einer preisgekrönten Regisseurin in Grund und Boden trampeln muss.