Kulinarisches Kino zum Abgewรถhnen, ein Fest fรผr Logikverweigerer
โDeliciousโ ein Titel, der in seiner Ironie kaum zu รผberbieten ist. Was hier als cineastische Delikatesse angekรผndigt wird, entpuppt sich rasch als lauwarmes Potpourri aus Klischees, unfreiwilliger Komik und narrativer Willkรผr. Der Film bemรผht sich sichtlich, eine gefรผhlvolle Ode an die Anfรคnge der Haute Cuisine zu inszenieren, allerdings mit dem erzรคhlerischen Fingerspitzengefรผhl eines รผbermotivierten Kรผchenpraktikanten, der das Rezept verloren hat und trotzdem serviert.
Charaktere agieren nicht aus innerer Logik, sondern lediglich, um der nรคchsten Szene ein wenig dramaturgischen รberbau zu verleihen. Ein Problem, das sich wie ein schlecht reduzierter Jus durch den gesamten Film zieht. Motive erscheinen, verschwinden und widersprechen sich, und das nicht etwa aus kรผnstlerischer Ambition, sondern schlicht aus mangelndem erzรคhlerischem Kalkรผl.
Stilistisch wirkt โDeliciousโ wie das Produkt eines entfesselten Kostรผmfundus. Visuell รผberambitioniert, inhaltlich unterwรผrzt. Die Kameraarbeit bemรผht sich um barocke Tableaus, wรคhrend der Plot auf dem Niveau eines durchgesessenen Servietten-Dramas verharrt. Emotionen sollen nicht durch Subtext entstehen, sondern durch eine allgegenwรคrtige musikalische Untermalung, als wรผrde man dem Publikum keine eigene Regung zutrauen.
Man kรถnnte annehmen, der Film wolle sich als subtiler Kommentar auf die gesellschaftlichen Spannungen vor der Franzรถsischen Revolution positionieren. Doch jeder Versuch, historische Tiefe zu erzeugen, erstickt im Pathos und in der erstaunlichen Unfรคhigkeit, ein glaubwรผrdiges Figurenensemble zu etablieren.
Kurz gesagt: Wer Genuss sucht, sollte sich lieber ein Butterbrot schmieren. Das hat mehr Substanz, mehr Struktur und deutlich mehr erzรคhlerische Konsequenz als dieser filmische Fehlschlag. โDeliciousโ ist eine Mogelpackung โ hรผbsch angerichtet, aber geschmacklich enttรคuschend fad.