Mit so wenig Ahnung über so eine lebensbedrohliche Krankheit zu schreiben, ist verdammt nochmal gefährlich.
Der "Heilungsweg" von Sally wäre für die meisten Anorexie-Patient*innen das absolute Todesurteil. Wie viele junge Frauen lesen dieses Buch und fühlen sich in ihrer Uneinsicht der Krankheit bestätigt? Hey, ja klar, lass uns einfach mal schwerstkranken Menschen einreden, dass die Lösung Weglaufen aus der Klinik und Kontaktabbruch mit den besorgten Eltern ist. Dass sie gar nicht wirklich krank sind. Dass das medizinische Personal, das Tag für Tag dafür kämpft, anorexische Menschen am Leben zu halten, die absoluten Teufel in Persona sind. Dass körperliche Arbeit eine gute Idee bei Anorexie ist?!
Ist dem Autor eigentlich klar, wie hoch der Kalorienverbrauch von anorexischen Menschen ist und wie viel diese essen müssten, um die Arbeit auf einem Kartoffelacker auszugleichen??? Dafür reichen nicht ein paar Stückchen Birne zum Frühstück. Realisch gesehen wäre die Protagonistin wahrscheinlich eher auf dem Hof gestorben, als gesund zu werden.
Anorexie ist ein so aktuelles Thema, SO viele Menschen sind betroffen und es ist SO unfassbar schwer, Menschen mit Anorexie zu helfen und sie zu heilen. Und es ist unfair, dass Menschen mit solchen unbedachten, überhaupt nicht fachgerechten Texten, viel zu viel Reichweite erzielen können und damit großen Schaden anrichten.
Das ist eine Verherrlichung und Verharmlosung von Anorexie. Das ist problematisch.
An den Autor gerichtet: Vielleicht sollten Sie sich mit den Themen ihrer Texte etwas länger befassen und weniger des Geldes Willen so schnell wie möglich einen schlechten Roman nach dem anderen rausbringen.