Man kรถnnte diese Rezension wie viele andere schreiben, die sich auf die optischen Qualitรคten des Films und die Emotionale Geschichte konzentrieren. Doch manchmal lohnt es sich, gegen den Strom zu schwimmen, eine eigene Meinung zu bilden und klar zu sagen: Ich hรคtte gerne die zwei Stunden meines Lebens zurรผck, die ich mit diesem abstrusen Wechselbad der Gefรผhle verbracht habe.
Noch nie habe ich einen Film gesehen, der derart bewusst mit den Erwartungen des Zuschauers spielt und zugleich so unlogisch agiert. Zu Beginn versucht der Film, uns ein Idealbild von Freundschaft zu vermitteln โ eine Freundschaft, die scheinbar keine Grenzen kennt: weder zwischen Mensch und Tier noch zwischen Geschlechtern oder anderen Kategorien. Doch kaum hat man sich auf diese emotionale Botschaft eingelassen, wird man Zeuge, wie wenig Energie in den Erhalt dieser Bindung investiert wird. Stattdessen werden plรถtzlich Grenzen gezogen, die diese Verbindung als bedeutungslos entwerten.
Eines meiner grรถรten Probleme mit dem Film ist genau dieser widersprรผchliche Umgang mit Freundschaft. Die Handlung zeigt uns den verzweifelten Versuch, eine Verbindung aufrechtzuerhalten, selbst wenn der Weg aussichtslos erscheint. Aber โ und das ist der eigentliche Frustpunkt โ es fehlt an nachvollziehbaren Bemรผhungen, diese Bindung zu retten. Mein achtjรคhriger Sohn hatte wรคhrend des Films mehr als eine plausible Idee, wie man die Situation lรถsen kรถnnte. Doch unser Protagonist? Der denkt nicht einmal ansatzweise darรผber nach. Vielmehr fรผhrt uns der Film vor Augen, wie einfach Freundschaften aufgegeben und durch neue ersetzt werden kรถnnen โ und trotzdem scheint am Ende alles in bester Ordnung zu sein.
Die fรผnf-Sterne-Kritiker mรถgen jetzt einwenden, dass der Film ein Spiegel unserer Wegwerfgesellschaft sei, in der Bindungen austauschbar geworden sind und die Filmemacher uns genau darauf aufmerksam machen wollen.
Aber nein. Freundschaft bedeutet, nichts unversucht zu lassen. Es bedeutet, einem Freund in der Not beizustehen, ihm zu helfen, selbst wenn die Situation ausweglos erscheint. Es bedeutet, sich fรผr ihn einzusetzen, auch wenn es schwierig wird. Genau diese Werte vermittelt der Film jedoch nicht. Stattdessen wird betont, wie austauschbar Beziehungen sind, wie einseitig der Wunsch nach Zusammenhalt sein kann und wie leicht man letztlich loslassen und neu anfangen soll โ angeblich zum Wohl des anderen.
Sollte man diesen Film gesehen haben? Meiner Meinung nach: Nein. Regt er zum Nachdenken an? Ja, aber auf eine extrem negative Weise. Man fragt sich unweigerlich, warum ein Werk wie dieses so viel Aufmerksamkeit bekommt.
Der von vielen Rezensenten gelobte Zeichenstil ist fรผr mich bestenfalls zweckmรครig und erinnert an die frรผhen Tage von Futurama. Die Musik โ oder besser gesagt der Score โ ist kaum existent und bleibt dennoch ein zentraler Bestandteil, um โEmotionenโ zu erzeugen. Im Gegensatz zu den Figuren selbst wird hier Gesang und Stimme als Brรผcke genutzt, um Gefรผhle und Zusammenhรคnge zu transportieren oder Erinnerungen zu wecken. Doch auch das gelingt nur bedingt.
Unterm Strich bleibt mir vor allem eines: Verwunderung. Verwunderung รผber das Gezeigte und die Einsicht, dass ich mir zukรผnftig nicht zu viel von anderen Kritiken diktieren lassen sollte.