Ich habe mir die Serie nur angeschaut, um meine Spanischkenntnisse zu verbessern. Wenigstens in dieser Hinsicht hat es sich gelohnt! Die Serie selbst allerdings ist ein großer Reinfall, den ich absolut nicht weiterempfehlen kann.
Die Themen, die angesprochen werden – Feminismus, neue Maskulinität, Sexismus, Geschlechteridentitäten und verschiedene Beziehungsformen – sind eigentlich spannend und wichtig. Leider werden sie jedoch völlig oberflächlich behandelt: Alles wird in einen Topf geworfen, mit einer ordentlichen Portion Humor übergossen, kräftig durchgemischt – und das Ergebnis ist leider genauso chaotisch, wie es klingt. Da kann nichts Gutes bei herauskommen.
Was den Charakteren fehlt, ist etwas Essenzielles, das für jede zwischenmenschliche Beziehung grundlegend ist: die Fähigkeit, offen über Wünsche und Bedürfnisse zu sprechen. Zwar wird in der Serie ununterbrochen geredet, aber letztlich bleibt vieles hohl und inhaltslos. Anfangs mag dieses Konzept noch amüsant wirken, aber spätestens ab der zweiten Staffel wird es einfach nur noch anstrengend.
Die einzigen Figuren, die sich im Laufe der Serie professionelle Hilfe bei einer Therapeutin holen, sind Esther und Luis. Doch ehrlich gesagt: Alle Charaktere bräuchten dringend eine Therapie! Hier zwei besonders absurde Beispiele:
Santiago: Ich habe noch nie jemanden gesehen, der so schlecht kommunizieren kann. Anstatt einmal ehrlich „nein“ zu sagen oder klar auszudrücken, was er möchte, windet er sich in absurde Verhaltensmuster, nur um es allen recht zu machen. Irgendwann wird das einfach unglaubwürdig. Unter seinen Freunden gibt er den reflektierten, modernen Mann, hat aber in Wahrheit keinen blassen Schimmer von sich selbst. Das wird besonders deutlich, als er sich von seiner unreifen Tochter Ratschläge geben lässt – Ratschläge, die ihn nur noch tiefer ins Chaos stürzen.
Raúl: Ein Mann in den Vierzigern, der geistig irgendwo bei achtzehn stehen geblieben ist. Auch diese Figur ist völlig überzeichnet und bleibt über die drei Staffeln hinweg erschreckend statisch. Im Ernst: Welcher erwachsene Mann lässt sich auf eine Ehe mit einer streng katholischen Frau ein – nur, weil er vor über zwanzig Jahren unbedingt mit ihr schlafen wollte und diese Chance nun plötzlich wieder auftaucht? Völlig absurd!
Am Anfang sorgt das Ganze vielleicht noch für ein paar Lacher, doch je länger man zuschaut, desto größer wird die Distanz zu den Figuren. Irgendwann hofft man einfach nur noch, im echten Leben niemals solchen Menschen zu begegnen.
Zwei Sterne vergebe ich trotzdem – aus Sympathie für Spanien, seine Sprache und seine herzlichen Menschen.