Die Serie verliert für mich schon in den ersten Minuten seine Berechtigung. Wenn eine Geschichte damit eröffnet, dass ein Neugeborenes und seine Mutter in einer sinnlos brachialen Szene sterben, dann ist das weniger erzählerische Kühnheit als der Versuch, Aufmerksamkeit zu erzwingen. Diese Art Einstieg wirft für mich die grundsätzliche Frage auf, was eigentlich im Selbstverständnis moderner Filmemacher schiefläuft: Warum gilt es inzwischen als legitim, das Publikum mit immer extremeren Bildern zu überfahren, anstatt eine Geschichte durch Inhalt, Dialog und Spannung zu tragen?
Ich halte diesen Trend für problematisch. Extreme Gewalt wird oft mit „Realismus“ begründet, tatsächlich aber ist sie häufig ein dramaturgisches Hilfsmittel, das Leere kaschieren soll. Man kann eine düstere, ernste oder sogar brutale Geschichte erzählen, ohne darauf angewiesen zu sein, das Publikum gleich zu Beginn emotional zu schädigen. Und es bleibt die Frage, wie normal uns diese Darstellungen inzwischen geworden sind. Wenn solche Szenen kaum noch jemanden überraschen, ist das kein Zeichen von Reife, sondern ein Hinweis auf Abstumpfung.
Es geht dabei nicht um Prüderie oder vorauseilende Empörung. Es geht darum, dass Bilder wirken – und dass Filmemacher Verantwortung dafür tragen, was sie erzeugen. Gewalt auf diese Weise einzusetzen ist nicht neutral. Sie prägt unsere Wahrnehmung dessen, was „normal“ ist, und sie beeinflusst auch, wie wir mit realer Gewalt umgehen. Wer behauptet, solche Darstellungen seien folgenlos, ignoriert, was wir aus der Medienpsychologie längst wissen: Extreme Reize wirken, auch wenn wir uns einreden, sie wegzustecken.
Der Film hätte viele Möglichkeiten gehabt, seine Geschichte zu entwickeln. Stattdessen entscheidet er sich für den schnellstmöglichen Schockeffekt. Das ist erzählerisch arm und gesellschaftlich fragwürdig. Und genau deshalb lohnt es sich, darüber zu sprechen: Nicht um Kunst zu verbieten, sondern um zu erkennen, wie gedankenlos Gewalt heute eingesetzt wird – und wie wenig wir davon wirklich brauchen.