Ich war sofort gefesselt von einigen schauspielerischen Leistungen, der Kameraführung und der (scheinbaren) Tiefe. Sehr enttäuscht musste ich am Ende feststellen, worum es in der Serie geht: nichts. In der Geschichte werden unzählige Fragen aufgeworfen zum Tathergang, gesellschaftspolitische Themen aufgebracht und Andeutungen gemacht zu den Beziehungen der Betroffenen. Man wartet sehnlichst auf Erklärungen, eine Auflösung, auf Antworten, nur um dann zum Schluss mit Bildern eines weinenden Vaters abgespeist zu werden. Hä?! Zumal einige Rollen m.E. fehlbesetzt wurden (der Vater ist für mich nicht glaubwürdig) und manche Dialoge künstlich wirken (Jamie und Psychologin). Alles in allem ein Hype um nichts, grosses Potenzial wurde hier vergeben. Zur Debatte kontroverser gesellschaftspolitischer Themen (Sexualität, Männlichkeit, usw.) kann die Serie nichts beitragen, da der Umgang mit ihnen oberflächlich bleibt – daran ändert auch die durch Anspielungen (z.B. auf die Manosphere) hervorgerufene Pseudo-Tiefgründigkeit nichts.