Ein würdiges Prequel mit noch mehr Tiefgang. Alle Hauptfiguren aus dem ersten und zweiten Teil haben für mich eine stimmige Geschichte bekommen. Sogar die Figur Goreng mit dem Schluss des 2. Teils.
Meine Hautpinterpretation der Filme (Achtung Spoiler): "Wir sind alle Gefangene unserer Selbst" - das sagt Trimagasi gegen Ende des 2. Teils und trifft es auf den Punkt für mich. Es handelt sich meinem Verständnis nach im Schacht um psychisch gebrochene Menschen, die auf der Suche nach Erlösung von ihrem Leid sind. Dies wird für mich am deutlichsten mit der weiblichen Hauptfigur im 2. Teil, die den Sohn ihres Freundes (ihr Freund ist übrigens Goreng) retten möchte, den sie vermeintlich auf dem Gewissen hat, und dies stellvertretend mit dem von ihr gefundenem Jungen im Schacht tut. Auch die Geschichte der männlichen Hauptfigur im 2. Teil ist unfassbar traurig, wenn man genau zuhört und hinschaut. Und Erlösung in der Welt der Lebenden erhält er letztlich nicht.
Drumherum gibt es die Geschichten (Teil 1 und Teil 2), in denen versucht wird ein funktionierendes soziales System zu schaffen. Das ist aber schwer mit so vielen unterschiedlichen und vor allem leidenden Menschen, die sich wiederum in bestimmten Strukturen befinden. Kommunikation ist zB nur eingeschränkt möglich. Und Gewalt, die Sprache beider Systeme in den Filmen bringt langfristig nur Leid. So verstand ich das. Usw. Da könnte ich jetzt noch ewig weiter interpretieren anhand des vielschichtigen Filmmaterials.
Die Kinder sind für mich in den Filmen sowohl Hoffnungsträger als auch potenzielle Gebrochene. Letzteres zeigt sich meiner Ansicht nach mit dem Jungen, der die anderen Kinder in der Szene mit der Rutsche "unterjocht" (Spoiler Ende).
Einen Stern Abzug gibt es von mir, weil der 2. Teil zu rasant erzählt wurde. Ich mochte das Tempo des 1. Teils lieber, weil dadurch mehr Zeit blieb, es wirken zu lassen und mitzudenken/weiterzudenken.
Insgesamt sind beide Filme psychologisch und philosophisch hoch interessant. Es gibt viel zu diskutieren.