Durch die Dramaturgie rast der Film de facto über die Kinoleinwand. Noch nie in meinem Leben hatte ich am Ende das Gefühl, der Streifen wäre gerade mal eine halbe Stunde lang gelaufen, die genau 90 min Laufzeit sind ultraschnell erreicht. Da ich selbst seit vielen Jahren Professional mit sehr viel Erfahrung im betreffenden Beruf bin, bekam ich teils Schnappatmung u Dyspnoe als körperliche Begleitsymptome, da der Film nur allzu gut die Stress- u Drucksituationen aufzeigt. Und wenn man diese kennt, dann fühlt man automatisch mit und begleitet diesen Spätdienst auch aktiv mit. Solch ein Dienst geht in der Regel 8.5 Stunden, natürlich sind die Geschehnisse auf 90 Minuten komprimiert, so kommt das Drama um die brillante Hauptdarstellerin Floria Lind (gespielt von Leonie Bennesch) als eine komplette Hetzjagd auf die Floria rüber. Aufgabe an Aufgabe reiht sich aneinander, sie muss jetzt sofort dies und das erledigen, das Telefon klingelt unentwegt. Sie funktioniert zuerst fast perfekt, ihre Mitstreiter jedoch halten mit ihrem Tempo nicht mit. Komplikationen erschweren den Dienst unentwegt. Sie wird durch den Film getrieben, sodass man jederzeit Angst haben muss, daß sie dekompensiert und einen Nervenzusammenbruch erleidet.
Natürlich werden die üblichen Klischees eingestreut (der ungeduldige ewig pöbelnde Privatpatient, die heimlich rauchende auf zusätzlichen Sauerstoff angewiesene lungenkranke Patientin, die türkische Familie dauernd auf dem Flur wartend und immer wieder fragend, wann nun endlich die geliebte Mama behandelt wird). Aber das gehört dazu und ist im Pflegealltag implementiert.
Was ist die Botschaft? Jeder Mensch egal welcher Colleur kann von jetzt auf gleich als Patient im Spital landen. Der Privatpatient im Film hat immer gesund gelebt und hat in noch jungen Jahren ein Pankreaskarzinom, ihm scheint gewiss zu sein, daß er nicht mehr lange zu leben hat. Es kann wirklich jeden treffen, umso mehr ist dann die Abhängigkeit gross von einem dann funktionierenden Gesundheitssystem. Ärzte und Pflege müssen jederzeit da sein, professionell sein und funktionieren, ohne Fehler zu machen (!!). Stress durch eine dünne Personaldecke ist nicht erwünscht und ist kontraproduktiv, weil dadurch das Personal total geschreddert wird und Patienten als auch Besucher leiden (können).
Ich verstehe es als direkte Kritik am System. Es geht de facto nur um wirtschaftliche Belange, es zählen nur positive Bilanzen und Zahlen. Der Mensch im Beruf und als Patient gerät unter die Räder und im Abspann wird darauf hingewiesen, daß 36% der jungen Leute nach bereits 4 Jahren den Beruf verlassen haben. Bis 2030 werden Tausende von Stellen unbesetzt sein. Und die Aussagen, welche der Film tätigt, stimmen zu 100%! Einer der wichtigsten Berufe überhaupt wird mehr und mehr unattraktiv und auch die Ärzte haben in der Regel nur wenig Zeit für ihre Patienten. Aber seit Jahren werden die Probleme verkannt und negiert und berufsferne (!) Personen scheinen eine absolut falsche Gesundheitspolitik zu fahren. Die Zahlen müssen prächtig sein und stimmen, der Mensch als Dienstleister und Serviceempfänger ist nicht wichtig!