Bewertung: 3,5 Sterne
Spoiler enthalten
Die Serie spielt auf zwei Zeitebenen. Einerseits geht es um die Vergangenheit, etwa in den 1970er-Jahren, in der die menschliche Cassandra mit ihrem Sohn lebt. Andererseits um die Gegenwart, in der eine moderne Familie in das Smart Home "Cassandra" zieht, um nach dem Suizid einer Tante neu anzufangen.
Ich fand die Vergangenheit deutlich spannender. Die Geschichte von Cassandra als Mutter, die alles für ihren Sohn tut und sogar ihren krebskranken Körper aufgibt, um als Roboter weiterzuleben, war emotional und gleichzeitig beunruhigend. Dabei habe ich mich gefragt, ob Cassandra in der Gegenwart wirklich noch lebt oder nur als Programm mit ihren alten Erinnerungen und Eigenschaften existiert. Für mich wirkt sie wie eine leere Hülle, die keine Entwicklung zeigt und einfach nur stur ihrer Rolle als Mutter folgt.
Auch Horst war als Figur gut gemacht. Sein Denken ist klar von traditionellen Vorstellungen geprägt. Er wollte einen Sohn, der Fußball spielt und Männlichkeit ausstrahlt – ein Wunsch, den ihm sein eigener Sohn nie erfüllt hat. Er bleibt enttäuscht und wünscht sich bis zum Ende einen neuen Sohn, selbst als Cassandra längst ein Roboter ist. Ich habe mich oft gefragt, ob Horst Cassandra jemals wirklich geliebt hat oder sie nur als Hausfrau, Mutter und Objekt für seine Ideen gesehen hat.
Die Gegenwart war für mich schwächer, deshalb gibt es auch nur 3,5 Sterne. Die Idee an sich ist gut. Eine Familie mit schwieriger Vergangenheit zieht in ein neues Haus und will neu anfangen. Aber viele Dinge sind einfach nicht glaubwürdig. Niemand fragt sich, woher dieses smarte Haus stammt. Niemand googelt oder hinterfragt irgendwas, obwohl Cassandra eindeutig nicht normal ist. Die Familie vertraut ihr innerhalb weniger Tage mehr als ihrer eigenen Mutter, obwohl diese deutlich macht, dass etwas nicht stimmt.
Auch der Vater, ein Buchautor, der eigentlich sensibel für Manipulation sein müsste, wird am Ende selbst zum Täter und versucht, seine Frau zu töten. Das Finale fand ich besonders fragwürdig. Die Familie ist über zwei Wochen eingesperrt, und niemand kommt auf die Idee, Cassandra einfach umzustoßen oder zu überlisten. Der Vater lässt sich sogar einen Finger abschneiden. Und die Tochter Juno, die ein funktionierendes Handy hatte, hätte locker einen Notruf absetzen können.
Fazit:
Die Geschichte aus der Vergangenheit ist emotional, intensiv und gut gemacht. Die Gegenwart dagegen wirkt leider an vielen Stellen unlogisch. Insgesamt eine interessante Serie mit spannenden Themen, aber nicht ganz rund erzählt. Deshalb 3,5 von 5 Sternen.