Jedes Mal, wenn ich bei Rezensionen eines kommerziell sehr erfolgreichen Films geradezu hasserfüllte Kommentare lese, hat dieser offenbar viele ins Mark getroffen. In der Tat wagt Materialists mit seinem brillant spielenden Cast und einer hinreißenden Dakota Johnson einen ungewöhnlichen Versuch – man spricht eine in der Regel tabuisierte Beziehungswahrheit gnadenlos aus: Beziehungen, und somit auch Dates, sind sehr, sehr häufig reine Status-Entscheidungen, und das seit Jahrtausenden. Frauen wurden dabei in vielen Kulturkreisen wie Vieh verhandelt. Sie waren und sind oft genug Wirtschaftsgüter. Der Film spricht das an, allerdings in Form einer weiblichen Selbstermächtigung, die sich Frauen in westlichen Gesellschaften mittlerweile erkämpft haben, aber oft genug nur bei uns. ‚Was gibst du mir, was bin ich bereit, zu investieren?’ Dabei stellt Materialists Beziehungen vollkommen illusionslos als jederzeit kündbare Arrangements dar, in der Regel mit einem tragikomischen Akzent. Etwa: Erst beschimpft man sich, weil man sich nicht vor den Kindern streiten will; dann streitet man sich vor den Kindern; später streitet man sich wegen der Kinder und nach der Scheidung streitet man sich vor Gericht um die Kinder – touché. Ich bin 72, wie oft habe ich das schon in meinem Umfeld erlebt.
Leider verliert der Film im letzten Drittel vollkommen die Linie. War das der Druck der Produzenten, verließ die Drehbuchautorin und Regisseurin der Mut, wollte man doch ein kommerzielleres weil romantisierendes Ende? Wie auch immer. Insgesamt ein Film mit einer mutigen Botschaft und finalen Schwächen im Skript.