Es braucht einen langen Atem…
Das Buch „Ich gehe, Du bleibst…“ von Eckard Schlenker ist allen denjenigen zu empfehlen, die einen nahestehenden Menschen begleiten im Kampf gegen den Krebs. Es kann dienen als Stütze und Orientierung bei einer von Hoffnung und Liebe, aber auch von Rückschlägen, geprägtem Pflege eines erkrankten Nahestehenden. Das Krankheitsbild Krebs ist gut abgebildet in den vielen Parametern und Prozeduren moderner Krebstherapie. Neben dem technischen ist auch Raum gelassen für den menschlichen Aspekt dabei durchweht von einem Grundtenor der Dankbarkeit gegenüber Ärzten, Pflegern und Personal in den verschiedenen Krankenhäusern und Reha-Einrichtungen. Der Autor ist ein wach beobachtender Zeitgenosse und begeisterter Segelflieger. Er weiß von der Bedeutung eines Ausgleichs für sich und seine Leser. Sein Sinn für Natur, Landschaften, Architektur, Geschichte und Kunst kommen mehrfach zum Ausdruck in seiner schönen Sprache. Diejenigen, die den Schwarzwald und die Stuttgarter Gegend kennen, können ihre „Heimat“ wieder neu entdecken.
Das Buch ist kein Erlebnisroman, es ist im Kern eine Chronik, die den Alltag (Parkplatzprobleme) und insbesondere den Pflegealltag Tag für Tag festhält mit zwischendurch erfrischenden Erzählungen ganz anderer Art. Die Krebskranke selbst kommt kaum zu Wort. Zwar ist ihre Herkunft und Kind- und Jugendzeit kurz beschrieben, aber sie bleibt eher im Verborgenen im Einklang mit ihrem Selbstverständnis und ihrem zurück genommenen Wesen.
Es braucht einen langen Atem, und trotz aller Anstrengungen und medizinischer Kunstfertigkeit ist am Ende häufig nur der Tod zu beklagen, der vom Kranken dann auch als Erlösung empfunden wird. Der Autor gewährt nun auch einen Einblick in seine Trauerarbeit und verlässt seine Position des objektiven Beobachters und spricht auch von seinem Befinden, Gefühlen, und Gedanken.
„Ich gehe, Du bleibst“ klingt hart und unerbittlich, wie der Tod selbst. Diesem Resümee ist ein Wort der Protagonistin gegenübergestellt, ein Wort von Tagore:
Leuchtende Tage!
Nicht weinen,
dass sie vorüber,
lächeln,
dass sie gewesen.
Tilmann Bösinger, Finnland, 11.06.2024