Captain America: Brave New World – Ein cineastisches Desaster erster Klasse
Manchmal, wenn der Preis lange genug fällt, fällt irgendwann auch die letzte Hemmschwelle. So kam es, dass ich mich, nach längerem inneren Ringen, für den Kauf von Captain America: Brave New World entschied. Immerhin: 13 bis 15 Euro sind ja mittlerweile fast schon ein Schnäppchen für einen aktuellen Film. Dachte ich.
Doch was folgte, war eine filmische Nahtoderfahrung. Wer hier noch den Geist der alten Marvel-Filme erwartet, wird unsanft von der Realität geohrfeigt. Der Film hat in etwa so viel mit dem einst glorreichen MCU zu tun wie ein Dosenbier mit einem gereiften Bordeaux.
Fangen wir mit dem Cast an: Ich weiß nicht, ob das Casting per Tombola, Glücksrad oder im Rahmen einer TikTok-Challenge entschieden wurde — aber was hier aufgeboten wird, spottet jeder Beschreibung. Captain America selbst wirkt wie die Kopie einer Kopie einer Karikatur seines einstigen Charismas. Keine Ausstrahlung, keine Präsenz, kein Funken der Führungsfigur, die Steve Rogers einst war. Stattdessen steht da jemand, der maximal als Nebendarsteller in einer Supermarkt-Werbung durchgehen würde.
Harrison Ford? Nun ja. Harrison Ford wirkt, als wäre er aus Versehen am Set erschienen, dachte, er wäre auf einer Werbekampagne für Rheumasalbe und hat dann halt mitgespielt. Seine Rolle bleibt blass, seine Dialoge lustlos. Man spürt förmlich, dass er innerlich seine Golfreise plant, während er spricht.
Die Handlung selbst pendelt zwischen lähmender Belanglosigkeit und unfreiwilliger Komik. Spannung? Fehlanzeige. Dramaturgie? Auf dem Niveau eines sonntäglichen Verkehrshinweis im Radio. Ich musste mich mehrfach aktiv wach halten — und das bei einem Film, der eigentlich Blockbuster sein will.
Besonders grotesk wird es bei den Actionszenen. Captain America, der neuerdings per Flügelantrieb Kampfjets attackiert? Man weiß nicht, ob man lachen, weinen oder einfach abschalten soll. Selbst die CGI, früher einst Marvels Stärke, wirkt billig, lieblos und teils unfreiwillig albern.
Kurzum: Brave New World ist weder „brave“ noch „new“, sondern einfach nur Weltklasse schlecht. Ich habe selten einen derart misslungenen Versuch gesehen, ein Franchise weiterzuführen. Disney hat hier auf beeindruckende Weise demonstriert, wie man Milliarden-Franchises gegen die Wand fährt.
Von mir bekommt der Film: 0 von 5 Sternen. Nicht einmal als Hintergrundrauschen beim Bügeln geeignet.