Adolescence reiht sich nahtlos in das ein, was man mittlerweile als das typische Netflix-Narrativ bezeichnen kann: Eine oberflächlich interessante Prämisse, solide inszeniert, doch zunehmend durchzogen von einer penetranten ideologischen Agenda.
Was als vielversprechende Charakterstudie beginnt, entpuppt sich schnell als einseitige moralische Erzählung: Männlichkeit wird durchgehend problematisiert, wenn nicht sogar dämonisiert. Weibliche Figuren hingegen werden auf eine beinahe Heiligen-ähnliche Stufe erhoben – als moralische Instanz, als Opfer oder als letzte Stimme der Vernunft. Dieses Schwarz-Weiß-Denken spiegelt weniger gesellschaftliche Realität als vielmehr ein ideologisch motiviertes Wunschbild wider.
Netflix bleibt sich damit treu: Produktionen, die visuell und erzählerisch anfangs überzeugen, werden häufig inhaltlich untergraben – entweder durch platte Symbolik, eindimensionale Figuren oder eine Agenda, die subtil beginnt und sich schließlich in missionarischer Deutlichkeit entfaltet.
Für mich steht Adolescence exemplarisch für eine Entwicklung, in der kulturelle Produkte zunehmend als Träger politischer Botschaften fungieren – anstatt als offene, vielschichtige Erzählräume. Kunst wird so zum Werkzeug der Belehrung – und verliert genau das, was sie einst ausmachte: Ambivalenz, Tiefe und echte Reibung.