Die schauspielerische Leistung ist wirklich gut. Die Wiener Kulissen einzigartig. Immer eine Reise wert. Die Ausstattung perfekt. Die Kostüme zeigt gemäß.
Leider hinken die Dialoge und die Story diesen exzellenten Zutaten hinterher. Der Drehbuchautor Stephen Thompson hat sehr schlecht recherchiert. Auch wenn ich damals nicht gelebt habe, bin ich mir sicher, dass niemand damals im O-Ton gesagt hätte, "man darf das P-Wort nicht gebrauchen". Gemeint war die Psychoanalyse. Diese Formulierung stammt aus unserer Zeit - das kann man besser machen.
Erst durch den Ersten Weltkrieg konnten, aufgrund des Männermangels Frauen typisch männliche Berufe ausüben. Die Figur der Wissenschaftlerin Amelia Lydgate aus Großbritannien ist soweit gut angelegt, aber in S2F3 betritt sie trotz Widerstand des Abtes das Kloster - kaum vorstellbar um 1907.
Zumal Großbritannien sich mit den Rechten der Frau sehr lange und schwer getan hat - 1928 erst das Frauenwahlrecht.
So git es jede Menge Beispiele für moderne Dialoge und Flapsigkeiten. Da hätte ich mir historische Beratung gewünscht.
Und ein kleiner Vauxpas im Vorspann: Es wird das Riesenrad im Zustand nach 1945 gezeigt mit nur halb so vielen Gondeln, wie um 1907.
Wie gesagt, sehenswert, wegen der Wiener Kulisse.